- Fehler: Mangelnde Haftfestigkeit / Lackablösungen
- Substrat: Kunststoff (Polypropylen)
- Ursache: Ungenügende Aktivierung beim Beflammen
- Mögliche Lösung: Einhaltung von Geschwindigkeit, Abstand, Winkel bei der Roboterbeflammung

Eine ungenügende Aktivierung der Substratoberfläche kann zu Haftfestigkeitsverlusten führen. Quelle: Fraunhofer IPA
Die Beflammung ist ein flexibler Vorbehandlungsprozess mit relativ geringem Aufwand, der eine gute Benetzbarkeit und Haftfestigkeit von Lacken bzw. Beschichtungen auf Polyolefin-Kunststoffen sicherstellt. Die Anforderungen an eine solche Vorbehandlung werden angesichts zunehmend eingesetzter primerloser Lacksysteme steigen. Die große Herausforderung ist nun, die optimalen Bewegungs- und Prozessparameter individuell für jedes Bauteil zu finden.
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Loggen Sie sich ein, um den gesamten Inhalt freizuschalten!Die Versuche im Projekt werden roboterunterstützt in einer handelsüblichen Beflammanlage mit Probeplatten aus PP/EPDM durchgeführt. Das Material kommt im Automotive-Bereich standardmäßig zum Einsatz. Dabei zeigt sich der Einfluss verschiedenster Parameter, wie beispielsweise des Abstands des Brenners zur Substratoberfläche oder die der Vorschubgeschwindigkeit des Roboters. Diese Parameter werden in mehreren Versuchsprogrammen variiert und mittels verschiedener Methoden untersucht. Zur Charakterisierung der beflammten Oberfläche dienen Rauheitsmessungen und Oberflächenenergiebestimmungen. Hochdruckwasserstrahltests stellen ein gängiges Verfahren dar, um die Qualität der Haftfestigkeit der Beschichtungen auf lackierten Versuchsplatten zu bestimmen. Außerdem wird mittels thermografischer Aufnahmen die Temperaturverteilung auf den beflammten Oberflächen bestimmt. In Verbindung mit strömungsmechanischen Effekten sollen die Modellvorstellungen spezifiziert und validiert werden. Parallel dazu wird mittels fluiddynamischer Simulationen die verwendete Flamme selbst modelliert, siehe Grafik. Die Geometrie der Flamme ist ebenso wie deren infolge von Inhomogenität örtlich variierenden Eigenschaften berechenbar. Darüber hinaus können wichtige Erkenntnisse zum Verständnis der Prozesse gewonnen werden. So kann die lokale Sauerstoffkonzentration in der Flamme Aufschluss geben, ob deren Wirkung eher oxidierenden oder reduzierenden Charakter hat.

Vereinfachtes Modell der Flammentemperaturverteilung im Querschnitt bei der Verbrennung. Quelle: Fraunhofer IPA
In einem zweiten Schritt soll eine einfache, praxistaugliche Simulation entwickelt werden, abgeleitet aus den fluiddynamischen Berechnungen und Beflammversuchen. Diese soll dann vor allem geometrische Einflüsse, wie Winkel der Flamme zum Substrat, Geschwindigkeit und Abstand beschreiben können, um auch für komplexe Bauteile Roboterbahnen bewerten zu können.
Aus der Korrelation der Kennwerte nach Druckwasserstrahltest der beschichteten Proben mit den Oberflächenenergien der beflammten Substrate sowie mikroskopischen Untersuchungen zeigt sich, dass die Druckwasserstrahlkennwerte von 1 bis 3 oft kein adhäsives Haftfestigkeitsversagen aufzeigen, sondern dass hier die Schäden in den oberflächennahen Substratschichten auftreten. So ist festzuhalten, das Adhäsionsversagen mit steigender Oberflächenenergie praktisch nicht mehr auftritt. Stattdessen verlagert sich die Bruchzone der beschichteten Proben vermehrt in die Kunststoff-Bulkzone. Hier müssen weitere Untersuchungen aufzeigen, welcher Zusammenhang zwischen dem Beflammen und den Kohäsionsbrüchen besteht. Erst dann können diese Effekte in das Simulationsmodelleinfließen. Aus den bisherigen Untersuchungen sind allerdings die Einflüsse einiger Parameter abschätzbar. So zeigen die Einwirkzeit der Flamme sowie deren Abstand zum Substrat einen relativ großen Einfluss, während der Winkel der Flamme zur Oberfläche kaum relevant scheint.
Projektionsmodell
Aufgrund der erhaltenen Ergebnisse wird für die schnellen Simulationen ein modifiziertes Projektionsmodell als Grundlage verwendet, das Intensität und Einwirkdauer auf finiten Flächenelementen abbildet. Die Ergebnisse dieser Versuche sowie der fluiddynamischen Simulation der Flamme dienen zur Anpassung des Modells, um auch Randbedingungen und Extremfälle aus der Praxis sinnvoll darstellen zu können. So werden derzeit beispielsweise Grenzfälle näher betrachtet, die durchaus in der Praxis auftreten können. Hierzu seien Hinterschnitte bzw. Lufteinlässe in großen 3D-Formteilen genannt: Diese Regionen können aus geometrischen Gründen in der Praxis nicht mit konstanten Parametern beflammt werden. Die größte Herausforderung besteht darin, das Modell so anzupassen, dass es auch bei komplexen Geometrien und unstetigen Bedingungen zuverlässige Aussagen zur Qualität der Vorbehandlung treffen kann. In weiteren Schritten muss das Modell den Praxistest bestehen und an echten 3D-Geometrien validiert werden.