Nachdem der Unterschied zwischen wasserbasierten, lösemittelhaltigen und sogenannten 100-%-Systemen dargestellt wurde, sollen nachfolgend die verschiedenen Aufbauten auf Holz und anzuwendende Produkte in Abhängigkeit des Einsatzzweckes skizziert werden.
Ein Holzbeschichtungsaufbau ist je nach gewünschter Optik und avisiertem Anwendungsgebiet ein-, zwei- oder mehrschichtig. Beizen werden auf Furniere oder Vollholz aufgetragen, um die Optik des Holzes zu beeinflussen. Dabei kann ein Anfeuern, also eine Verstärkung der Oberflächenkontrastierung der Holzmaserung, gewünscht sein, oder auch eine Einfärbung der Oberfläche. Diese Systeme sollen hierbei möglichst tief in die Oberfläche eindringen und nicht oder nur minimal filmbildend sein. Beizen können sowohl Farbbeizen, basierend auf organischen Farbstoffen, Pigmenten oder auf Extrakten aus Rinden und Wurzeln, als auch chemische Beizen auf Basis von z. B. Säuren oder Metallsalzen sein, die durch eine chemische Reaktion eine Farbveränderung im Holz erzeugen. [1]

Der Schichtaufbau auf dem jeweiligen Holzsubstrat hängt vom Einsatzzweck und den an das Material gestellten Herausforderungen ab. Grafik: Redaktion/KI
Imprägnierungen sollen, ebenso wie Beizen, tief in das Holz eindringen und nicht- oder nur minimal filmbildend sein. Diese Produkte sind häufig für die Außenanwendung konzipiert und haben somit die Funktion, die Wasseraufnahme zu reduzieren. Zusätzlich enthalten diese biozide Produkte, die das Holz aufgrund der dort höheren Feuchtebelastung vor mikrobiellem Befall, z. B. durch Pilze, oder auch vor Insektenbefall schützen sollen.
Im Unterschied zur Imprägnierung dient eine Grundierung als Voranstrich, sodass der eigentlich gewünschte Anstrich eine gute Haftung auf dem Holz erhält. Zusätzlich kann die Grundierung Pigmente zum Färben des Holzes enthalten oder als spezieller Sperrgrund ein Durchschlagen von Holzinhaltsstoffen aus harzreichen Hölzern in die darüberliegende Schicht verhindern. Imprägnierungen und Grundierungen werden hierbei z. B. über ein Tauchbad, Walzen- oder Spritzapplikation oder in der Kleinflächenapplikation mittels Pinsel auf die Oberfläche aufgetragen. Ferner ist zu berücksichtigen, dass wasserbasierte Imprägnierungen und Grundierungen im Tauchbadverfahren einen enormen Wassereintrag ins Holz zur Folge haben, sodass eine ausreichende Trocknung vor den Folgeanstrichen notwendig ist. Imprägnierungen und Grundierungen werden heutzutage auch als „2-in-1“-Kombiprodukt angeboten.
Als Endanstrich nach den zuvor genannten Voranstrichen dienen Lasuren und Lacke. Lasuren sind filmbildende Beschichtungen mit geringer Schichtdicke. Diese werden häufig für begrenzt maßhaltige Bauteile mit geringerer Feuchtebelastung eingesetzt, z. B. im geschützten Außenbereich. Lasuren sind häufig pigmentiert und können zusätzlich Lichtschutzmittel enthalten, um die Verwitterung der Beschichtung, aber auch die Verfärbung der darunterliegenden Holzschicht zu verlangsamen. Der Vorteil von Lasuren ist, bedingt durch die geringe Schichtdicke, eine einfache Renovierung. Hierbei können alte Dünnschichtlasuren teilweise direkt oder nach einem Anschliff überstrichen werden. Lose Lasurreste können z. B. mit einer Bürste vorab von der Oberfläche entfernt werden. Von Nachteil ist der höhere Wartungsaufwand im Vergleich zu Lacken, da die Witterungsbeständigkeit in der Regel geringer ausfällt. Auch ist die haptische und optische Qualität von lasierten Oberflächen nicht auf dem Niveau von lackierten Oberflächen.
Lacke werden im Innen- und Außenbereich auf z. B. Möbeln, Parketten, Fassaden, Türen und Fenstern eingesetzt. Je nach Vernetzungstyp, gewünschter Beständigkeit oder Transparenz kommen zum Einsatz:
- Acrylatlacke
- Polyurethan- und Polyesterlacke
- Hybridsysteme
- seltener auch:
- Silikatsysteme
- säurehärtende Lacke (SH)
- Nitrocelluloselacke (NC- bzw. CN-Lacke)
- Alkydsysteme
Die so erzeugten Beschichtungen können je nach Anwendung unterschiedlich dick ausfallen. Je nach gewünschter Anwendung ist eine Formulierung für den Außenbereich mit Lichtschutzmitteln und einer geringen Wasserdurchlässigkeit für maßhaltige Bauteile wie Fenster möglich. Somit ist ein langer Schutz der Holzoberfläche gegeben, jedoch ist bei einem notwendigen Renovierungsanstrich der Altanstrich häufig restlos zu entfernen, sodass die Aufarbeitung um einiges aufwendiger im Vergleich zu lasierten Oberflächen ist. Weiterhin können andere Funktionalitäten im Lack implementiert sein, um gebrauchstaugliche Oberfläche u. a. im Möbel- und Fußbodenbereich zu ermöglichen. Hierzu zählen z. B. Additive zur Erhöhung der Kratzbeständigkeit wie Korund oder Mattierungsmittel zum Einstellen des Glanzgrades; auch Flammschutzmittelanwendungen sind immer häufiger anzutreffen. Je nach gewünschter Beständigkeit und Anwendungsgebiet sind Lacke als 1K-, 2K-, strahlenvernetzende Variante oder Dual-Cure-System erhältlich.
In Ergänzung zu den zuvor genannten Beschichtungen werden auch ölbasierte Beschichtungen eingesetzt. Ölbeschichtungen erzeugen eine sehr natürliche Optik und Haptik auf der Oberfläche. Dies gilt trotz des teilweisen Einsatzes von pigmentierten Ölen und der damit veränderten Farbgebung. Diese Systeme sind diffusionsoffen und damit permeabel für Feuchtigkeit, sodass die Substrate „atmen“ können, aber auch durch Wassereinwirkung eher geschädigt werden. Damit einhergehend ist auch die chemische (z. B. Verfärbungen) und mechanische Beständigkeit (z. B. Kratzbeständigkeit) geringer. Da es sich um eine nicht oder nur minimal filmbildende Beschichtung handelt, ist ein Renovierungsanstrich in durch Witterung und/oder mechanisch beanspruchten Bereichen häufiger nötig, dafür aber auch ohne aufwendiges Abschleifen möglich. Ölbeschichtungen können oxidativ trocknend sein, mit Hilfe eines Härters als 2K-Variante beständiger ausgeführt werden oder sogar als UV-Öl strahlenhärtend eingestellt sein. Ölbeschichtungen werden im Terrassen-, Parkett-, Möbel- und Fassadenbereich eingesetzt.
Nachdem in den vorangegangenen Teilen der gesamte Prozess von der Holzartenauswahl bis zur Lackauswahl skizzierte wurde, geht es im letzten Teil der Serie um Trocknungsverfahren und Härtungstechnologien für die applizierten Beschichtungen.
In weiteren Fachtexten zur Beschichtung von Holz werden auch die Materialauswahl und die Probenvorbereitung vor dem Lackieren sowie die Applikation der Beschichtung und relevante Beschichtungsmaterialien betrachtet.
[1] J. Prieto und J. Kiene, Holzbeschichtung, Hannover: Vincentz Network, 2007. [/ihc-hide-content]

