- Fehler: schlechte Gitterschnittresultate
- Substrat: allgemein gültig
- Ursache: falsche Durchführung des Gitteschnittes: zu viel Kraft
- Mögliche Lösung: normgerechte Anwendung der Prüfung

Grafik 1: Korrekte Gitterschnittprüfung – die Klingen dringen in die Beschichtung ein und verschieben diese waagerecht zur Beschichtungsebene. Grafik: DFO
Bei der Durchführung der Gitterschnittprüfung ((Video zum Gitterschnitt) kommt es bei einem Beschichter von Bauteilen regelmäßig zu schlechten Gitterschnittkennwerten, obwohl der Vorbehandlungsprozess ganz offensichtlich in Ordnung ist. Die Ursachen hierfür lassen sich nicht eindeutig zuordnen. Im Rahmen eines Ortstermins kann die Deutsche Forschungsgesellschaft für Oberflächenbehandlung e.V. (DFO) die Ursache für das Schadensbild schnell klären.
Die Gitterschnittprüfung gilt als sehr einfaches Prüfverfahren. Dies ist jedoch nicht der Fall. Zum besseren Verständnis soll daher kurz beschrieben werden, was bei einer Gitterschnittprüfung geprüft wird.
Keine Haftfestigkeitsprüfung
Entgegen der landläufigen Meinung ist die Gitterschnittprüfung kein Verfahren zur Ermittlung der Haftfestigkeit. Dies steht auch schon im Anwendungsbereich der zugehörigen Norm DIN EN ISO 2409: „Diese … Norm legt ein Prüfverfahren zur Abschätzung des Widerstands einer Beschichtung gegen Trennung vom Substrat fest, wenn ein bis zum Substrat durchgehendes Gitter in die Beschichtung geschnitten wird. Die nach diesem empirischen Verfahren bestimmte Eigenschaft hängt, neben anderen Faktoren, von der Haftfestigkeit der Beschichtung auf der vorhergehenden Schicht oder auf dem Substrat ab. Dieses Verfahren ist jedoch nicht als Verfahren zur Messung der Haftfestigkeit anzusehen.“
Grafik 1 gibt den Ablauf einer korrekten Gitterschnittprüfung wieder. Bei der Prüfung dringen die Klingen des Mehrschneidengeräts in die Beschichtung ein und verschieben diese waagerecht zur Beschichtungsebene. Der Widerstand der Beschichtung gegen diese Kräfte und die Trennung vom Substrat ist Gegenstand der Prüfung.
Im oben beschriebenen Fall hatte der Prüfer „zu viel Kraft“. Er drückte die Klingen in das Substrat. Das Argument des Prüfers war: „Wir führen die verschärfte Gitterschnittprüfung aus.“ In solch einem Fall wird der Substratwerkstoff „verschoben“. Die Folgen: Es kommt zu einem Abplatzen der Beschichtung (Grafik 2).

Grafik 2: Eindringende Gitterschnittmesser beschädigen das Substrat. Das Substrat wird hochgedrückt. Dadurch trennt sich die Beschichtung vom Substrat. Quelle: DFO
Der Querschnitt in Bild 3 zeigt die Auswirkungen einer nicht normgerecht durchgeführten Gitterschnittprüfung.
Im Fall der falsch durchgeführten Gitterschnittprüfung hatte der Prüfer zusätzlich noch ein Einschneidemesser verwendet – allerdings „freihändig“ ohne Schablone. Dadurch waren die Abstände der Schnitte ebenfalls nicht normgerecht.

