ForumKategorie: Gesetze, Richtlinien und NormenAusgasung von Nickel durch Pulverdecklack
Raimund Hohensinn vor 5 Jahren gefragt

Besteht die Möglichkeit, dass bei Zink-Phosphatierung mit Nickel und KTL-Grundierung plus Pulverdecklack Nickel durch den Schichtaufbau durchdiffundiert (Ausgasung)?

--> Hintergrund der Frage ist mögliche Reaktionen bei Nickelallergie in Innenräumen

2 Answers
Ernst-Hermann Timmermann vor 5 Jahren beantwortet

Guten Tag Herr Hohensinn,

ich bin zwar kein Nickel-Experte. Ich würde aber mal vermuten, dass die vergleichsweise großen Nickelatome nicht durch eine KTL-Grundierung plus Pulverbeschichtung "wandern" (das sind ja mehr als 100 µm Gesamtschichtdicke). Wassermoleküle werden wohl durch die "Poren" der Beschichtung wandern können. Außerdem müsste das Nickel zunächst in einen beweglichen Zustand überführt werden. D.h. z.B. in Nickelionen. Das ist alles schon recht unwahrscheinlich. Vielleicht sprechen Sie einfach mal die DGO (https://www.dgo-online.de/) in Hilden an. Die beschäftigen sich mit galvanischen Prozessen.

Gruß Ernst-Hermann Timmermann

PS: Bei Bedarf kann ich Ihnen auch einen direkten Kontakt zur DGO vermitteln. Wg. DSGVO nicht über das Forum. Bitte senden Sie mir einfach eine eMail.

Dirk Michels Mitarbeiter vor 5 Jahren beantwortet

Hallo Herr Hohensinn,

wir haben heute im Expertenkreis (Lackiertechniker & Galvanotechniker) Ihre Frage erörtert und würden die beschriebene Gefahr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausschließen.

Als Begründung kommen folgende Argumente zum Tragen:

  1. Die KTL + Pulverschicht bildet eine Barriere, sodass das Eindringen von Wasser (nicht generell auszuschließen, aber) in sehr geringem Maß ausfällt. Die dann möglicherweise gelösten Ni-Salze sind i.A. die Ursache für eine Nickelallergie (in der Praxis oft iVm Schweiß).
  2. Die Nickelkonzentration in der 3K-ZnPhos.-Schicht ist sehr gering
  3. Die Barrierewirkung der Organik (KTL+Pulverlack) verhindert dann wiederum die Diffusion der Ni-Ionen (in wässriger Phase) an die Grenzfläche Lack-Luft, wobei sich u.U. ein Gleichgewichtszustand einstellt.

Bei 100%-iger-Betrachtung lässt sich ein Ausschluss durch eine instrumentell-analytische Herangehensweise herbeiführen und man hätte somit den Zugriff auf belastbare Messwerte. Parallel sollte dann zudem eine arbeitsmedizinische Grenzwertbetrachtung der Ni-Konzentration durchgeführt werden, mit dem Ziel, ab wann eine Ni-Kontakt-Allergie idR ausgelöst wird.

Sofern Sie weitere Fragen zur beschrieben Systematik haben, können Sie sich gerne bei mir/uns melden.

Beste Grüße

Dirk Michels, Fraunhofer IPA