ForumKategorie: Neue Entwicklungen und TrendsNacharbeit und Polieren von UV-Härtenden Klarlacken
Julian Krückel vor 5 Jahren gefragt

Hallo Zusammen,

Diese Frage kommt beim Thema UV-Lacke immer wieder auf. Wie sieht die Nachbearbeitung aus? Gibt es da bereits Erfahrungen im Bezug auf Zeitfenster, in denen ein Polieren/Schleifen noch möglich ist?

Wie weit ist die Industrie generell in dem Thema? Mein letzter Stand ist, dass 100%ige UV Lacke keinen guten Verlauf haben und wenn man guten Verlauf will, man den Lack mit Lösemitteln versehen muss und dann vor den UV-Trockner zusätzlich ein Ofen muss. Zudem war der Stand, dass diese Systeme aufgrund der Härte nur für Metallbauteile frei sind und nicht für Kunststoff.

Sicherlich ist für eine eventuelle Umstellung/Einführung eine große Investition notwendig, aber was muss neben dem passenden Trockner noch zusätzlich angeschafft werden?

Vielen dank für ihre Antworten vorab und beste Grüße,

1 Answers
Ernst-Hermann Timmermann vor 5 Jahren beantwortet

Guten Tag Herr Krückel,

zu Ihren Fragen:

• 100 % UV-härtende haben in der Regel einen sehr guten Verlauf, da sie nicht „schrumpfen“. Die klassischen Anwendungen finden Sie im Holz- und Möbelbereich. Damit wird auch die Frage nach dem Substrat beantwortet. Man kann solche Lacke im Prinzip auf jeden Substratwerkstoff aufbringen.

• Die hohe Vernetzungsdichte von UV-härtenden (Trocknung wäre hier der falsche Begriff, da Trocknung ein rein physikalischer Prozess ist) Lacken führen zu einer hohen Kratzbeständigkeit. Das wirkt sich dann natürlich „negativ“ auf den Schleif- und Polierprozess aus. Bei 100% Systemen ist die Beschichtung unmittelbar nach dem Aushärtungsprozess vollständig vernetzt. Die Hersteller von Schleif- und Poliermitteln bieten aber geeignete Systeme an mit denen man auch solche Oberfläche noch bearbeiten kann.

• Bei dreidimensionalen Bauteilen setzt man typischerweise Dual-Cure Systeme ein. Diese Systeme haben sowohl UV-härtende Komponenten als auch klassische 2K-härtende Bestandteile. Damit vermeiden Sie, dass die Beschichtung auch in „Schattenbereichen“ aushärtet. 2K-Lacke sind i.d.R. nach dem Verlassen der forcierten Trocknung und Härtung noch nicht vollständig vernetzt. Solche Beschichtung lassen sich daher deutlich besser schleifen als 100% UV-härtende Lacke.

• Die Investitionskosten in solche Anlagen sind überschaubar. Die Herausforderungen bei der Hochglanzlackierung ist eher die Einhaltung einer hohen Sauberkeit, da man auf so lackierten Flächen kleinste Schmutzeinschlüsse erkennt. Insbesondere das Thema der Overspray-Absaugung und Abscheidung ist hier immer eine große Herausforderung.

Gruß Ernst-Hermann Timmermann