Hallo zusammen,
hat jemand Erfahrung mit der Erfassung und Dokumentation von Parametern wie, z.B. Ablüftzeit, Trocknungsdauer, Temperatur, evtl. Luftfeuchtigkeit während der Teiletrocknung, nach manueller Naßlackierung von Kleinserien ohne Automatisation? Ziel ist die Prozessüberwachung bzw. Nachweisführung!
Diese Thematik kam im Zuge eines Audits auf!
Im Voraus vielen Dank!
Rainer Hezel
Hallo Herr Hezel,
so allgemein ist der schwierig zu beantworten, den Ofen sollte man in gewissen Zeitintervallen mit einem Ofenschreiber hinsichtlich des Temperaturverlaufs überprüfen, damit die Aufheizung nicht so schnell oder langsam abläuft. Die Temperatur sollte doch vom Trockner geregelt werden, dies sollte doch überachbar sein. Die Überwachung der Prozesszeiten hängt sehr von den Arbeitsabläufen ab, ist sicherlich in manuellen Prozessen nicht einfach. Der Aufwand den man darin investiert, hängt davon ab, wie wichtig die Auswirkung auf die Qualität ist. Luftfeuchtigkeit im Trockner ist ein herausforderndes Thema und in vielen Bereichen noch nicht final beantwortet, kann aber gemeinsam mit der Anströmungsgeschwindigkeit (in Summe dann mit der relativen Feuchte direkt über den Lackfilm) für Kocher, Haftfestigkeit, Orange Peel relevant sein.
Viele Grüße
Oliver Tiedje
Hallo Herr Hezel,
da es diese Thematik während eines Audits aufkam und offensichtlich die Dokumentation des Lackierprozesses vom Auditor verlangt wurde wäre es wichtig genau zu wissen was der Auditor genau nachgewiesen haben wollte.
Einerseits reicht es, wenn man die Trocknungsbedingungen schriftlich dokumentiert und gegen Sollwerte (z.B. selbst ermittelte oder vom Lackhersteller) abgleicht:
Also Ablüftzeit, Trocknungsdauer, Temperatur, evtl. Luftfeuchtigkeit während der Teiletrocknung für jede Teilebatch. So wurde ich es machen, wenn es im ISO 9001 Audit vom Auditor verlangt wäre, den Trocknungsprozess zu dokumentieren.
Dazu reicht ein der Regel ein simples Papierdokument, der dieser Werte protokolliert.
Somit haben Sie praktisch alles nachgewiesen. Natürlich kann man viel viel mehr machen, aber wozu? Es geht doch nur darum, dass nachweisen können, dass die Teile ordnungsgemäß getrocknet sind.
Wenn Sie mehr Fragen dazu haben, dann können sie mich gerne kontaktieren.
Mit herzlichen Grüßen
Michael Ruppik
Hallo Herr Tiedje, hallo Herr Ruppik,
zunächst möchte ich mich für ihre Antworten bzw. Anregungen bedanken. Sehen sie es mir nach, dass meine Reaktion so lange auf sich warten lassen hat. Das Alltagsgeschäft hat einen zeitweise fest im Griff ;-)
Gerne möchte ich nochmal kurz auf die Thematik eingehen und unsere Umsetzung beschreiben.
Bei einem, ansonsten sehr gut verlaufenen, Rezertifizierungsaudit nach EN 9100, wurden wir bezüglich dieses Themas einigermaßen auf dem „linken Fuß“ erwischt. Mit meiner Frage an das Forum wollte ich mir zunächst einen Überblick verschaffen, wie bekannt diese Thematik überhaupt ist und falls es Erfahrungswerte gibt, was, wie und in welchem Umfang dokumentiert wird.
Ansinnen unseres Auditors war die Dokumentation der Trocknungsparameter Dauer und Temperatur je Lackierlos im Hinblick auf die Nachweisführung, angelehnt an Verfahren wie z.B. einer Ofenhärtung von Metallen oder von Oberflächenbearbeitungen in galvanischen Bädern. Also Verfahren, bei denen die Parameter Zeit und Temperatur direkten Einfluss auf das Ergebnis haben.
Obwohl dies bei unserer Anwendung (Lacktrocknung) ja nur bedingt zutreffend ist und bei uns diesbezüglich auch keine nennenswerten Qualitätsprobleme auftreten, haben wir diese Forderung in der Zwischenzeit umgesetzt.
Eines unserer Ziele war, den Aufwand in einem vertretbaren Rahmen zu halten. Deshalb sind aufwändige technische Lösungen von vornherein ausgeschieden. Auch den Praxisbezug haben wir als sehr wichtig erachtet. Ein „abrutschen“ auf eine zu tiefgreifende (theoretische) und damit zu umfangreiche Ebene wie, Überwachung und Dokumentation der, von ihnen auch angesprochenen Punkte, wie Luftfeuchtigkeit, Luftsinkgeschwindigkeit oder Temperaturverteilung in der Trockenkammer, aber auch Ablüftzeiten während des Lackierens und vor der Verbringung in den Ofen wollten wir vermeiden.
Auf die Akzeptanz und Verständnis der Maßnahmen bei den durchführenden Mitarbeitern legen wir großen Wert. Und Schlussendlich wollen wir damit dann auch einen Mehrwert bzw. eine erhöhte Prozesssicherheit erzielen.
Unser erster Schritt war, auf der bereits vorhandenen bauteilbegleitenden Dokumentation ein Feld für die zu erfassenden Parameter (Dauer / Temperatur) einzufügen. Trockenöfen und Lackierkabine wurden mit handelsüblichen, elektronischen 3-fach Timern ausgestattet.
In der Praxis bedient jetzt der Mitarbeiter zusätzlich zum Trockenofen noch einen Timer. Nach der Trocknung trägt er die tatsächlichen Werte in das Begleitdokument ein. Mit der oben erwähnten Akzeptanz bzw. dem Verständnis der Maßnahme sind das die tatsächlichen Parameter und nicht nur Werte aus den Anwendungstechnischen Informationen des Lackherstellers oder selbst ermittelte Erfahrungswerte.
Mit den genannten Maßnahmen konnten wir mit überschaubarem Aufwand diese Forderung des Auditors erfüllen.
Für ihre Bemühungen nochmals vielen Dank!
Beste Grüße
Rainer Hezel
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