Hallo zusammen,
nach der Umstellung auf den 2K-Pur Lack eines anderen Herstellers (1-Schicht High Solid, Festkörpergehalt 74%) ist die Filterstandzeit extrem gesunken.
Vor der Umstellung hatten wir einenwöchentlichen Filterwechsel. Mittlerweile ist nach 3 Tagen der Filter so zu, dass die Sinkgeschwindigkeit in der Kabine nur noch 0,06 m/s beträgt.
Als Filtermaterial verwenden wir den Grobstaubfilter FA 400 G. Die Absaugung der Kabine erfolgt von oben nach unten (Unterflurabsaugung).
Hat jemand Erfahrung oder ähnliche Probleme? Ich würde mich über einen konstruktiven Austausch freuen.
Mit freundlichem Gruß
Dino Brandt
Guten Tag Herr Brandt,
gehört habe ich von so einem Fall noch nicht. Also fangen wir mal an … Das, was Sie in den Filtermatten finden und das die Matten „verstopft“ muss ja irgendwo herkommen. Der wahrscheinlichste Weg ist dabei der Zerstäubungsprozess in Verbindung mit dem nicht flüchtigen Anteil - nfA (ugs. wird das auch Festkörper genannt).
Nun machen wir mal ein Gedankenexperiment: Nehmen wir mal an Sie beschichten mit einem Lack, der einen nfA von 35 % hat. Nehmen wir weiterhin an Sie zerstäuben den Lack mit einem pneumatischen Zerstäuber. Der Auftragswirkungsgrad liegt da bei ca. 30 %. Wenn Sie nun 1 kg Lack zerstäuben haben Sie 700 g Overspray. In diesen 700 g sind bei dem nfA von 35% 245 g „Trockenmasse“ enthalten, die Sie auf den Filtermatten abscheiden. Wenn Sie nun einen High Solid Lack mit 74 % nfA haben, dann erzeugen bei gleichem Wirkungsgrad (der Wirkungsgrad hängt ja vom Verfahren und nicht vom Lack ab) schon 518 g „Trockenmasse“, die Ihre Filter "füllt". Ich würde mal prüfen wie hoch der nfA von dem „alten“ Lack ist. Könnte das eine Erklärung sein?
Gruß Ernst-Hermann Timmermann
PS: Gerne können Sie mich auch mal anrufen 02131 40811-22
Hallo Herr Timmermann,
vielen Dank für Ihre Antwort.
Der nfA liegt bei beiden Lacken ähnlich (Alt: 73%, Neu: 74%). Ich denke Ihr Rechenbeispiel zeigt aber auf, dass wir an der Ursache arbeiten müssen (Overspray reduzieren).
Wir lackieren im Airmix-Verfahren mit zwei Wagner Puma 28-40 Pumpen. Zum Thema Overspray-Reduzierung gibt es ja mehrere Lösungsansätze,
wie z.B. das Heißspritzen, Airmatic-Zerstäubungsoptimierung oder das Elektrostastische Spritzen.
Gruß
Dino Brandt
Hallo Herrn Brandt,
Ihre Vorschläge sind gut . Ich würde aber erst einmal alle anderen Parameter Ihres Verfahrens "abklopfen". Sie verwenden ja schon ein recht gutes Zerstäubungsverfahren. Mein Gedankenexperiment noch einmal weitergedacht. Der Overspray ist ja der Lack, der nicht auf das Werkstück gelangt. Das hat mindestens zwei Gründe:
- Sie lackieren mit einem zu breiten Spritzstrahl und lackieren an dem Bauteil vorbei. Wenn Sie aber nichts an den Parameter verändert haben, kann das nicht der Grund sein
- Sie erzeugen mehr kleine Tröpfchen, die es nicht bis zum Bauteil schaffen, da sie vorher abgesaugt werden. Wenn Sie sonst keine Parameter geändert haben, würde ich mir mal die Rheologie anschauen. Je dünnflüssiger der Lack ist desto kleiner werden die Tropfen. Wenn der neue Lack abweichende rheologische Eigenschaften wie Thixotropie oder Strukturviskosität hat, dann hat das natürlich auch einen Einfluss auf die Zerstäubung. Zum Thema Rheologie gibt es eine kleinen Podcast von mir: https://soundcloud.com/besserlackieren/besser-lackieren-podcast-17-herausforderung-rheologie. Einfach mal reinhören.
Gruß Ernst-Hermann Timmermann
Guten Tag Herr Brandt und Herr Timmermann,
wenn das Lackierergebnis den Vorstellungen entspricht, dann würde ich ein anderes Filtermedium ausprobieren.
Die Bezeichnung "Grobstaubfilter FA 400 G" ist für mich nicht identifizierbar hört sich aber nach einer klassischen Filtermatte der Filtergüte G3 oder G4 an.
Wenn der "neue" Lack ein anderes Trocknungsverhalten zeigt als der alte, dann kann das schon der Grund für die verkürzte Filterstandzeit sein.
In vielen Fällen konnte mit einer Umstellung der Filterstufen in der Abluft eine deutliche Standzeitverlängerung erreicht werden.
Vielfach werden als 1. Filterstufe mittlerweile Kartonagen eingesetzt, die durch die Falttechnik ein Labyrinth bilden und eine ausgezeichnete Tiefenwirkung haben, d.h. die Filteroberfläche wird durch das Overspray nicht blockiert und bleibt sehr lange durchströmbar bis das Filtermedium vollständig erschöpft ist und erst dann steigt der Differenzdruck signifikant an und der Abluftstrom wird reduziert.
Gerne stehe ich für Rückfragen zur Verfügung.
VG Andreas Ritterbach
+49 / 171 /9688006
Vielen Dank für Ihre Antwort Herr Ritterbach.
in Bezug auf die Filtermatte ist das die Bezeichnung des Herstellers (Typ G3).
Das Trocknungsverhalten des neuen Lackes ist nicht schneller als der vorher eingesetzte (eher noch etwas langsamer).
Einen Papplabyrinthfilter hatten wir auch bereits als Vorfilter getestet. Das Ergebnis war, das die Standzeit noch weiter gesunken ist, weil sich die Löcher des Pappfilters zugesetzt haben.
Mit externer Unterstützung versuchen wir jetzt das Problem in den Griff zu bekommen.
Mfg
Dino Brandt
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