ForumKategorie: GrundlagenLösemittelausdunstung im Trocknungsprozeß
Dino Brandt vor 6 Jahren gefragt

Hallo zusammen,

aktuell beschäftigt uns folgendes Problem:

Unsere Produkte werden nach dem Lackieren auf einen Abstellplatz gebracht um dort zu trocknen.

Wir haben zwar einen Trockenofen aber der ist für die Menge an Prokukten nicht geeignet.

Die Ausdunstung der Lösemittel ist gerade bei großen Pumpen höher, so das es zur Geruchbelästigung in der Halle kommt.

Die Frage ist, ob jemand Ideen hat (ohne die ganze Fabrik umzubauen) die Lösemittelausdunstung zu reduzieren.

Infrarottrockung, Absaugung etc.

Wir lackieren aktuell die meisten unserer Produkte mit einem 2K PUR High Solid Einschicht Lack.

Mfg

D.Brandt

5 Answers
Wolfgang Schaefer vor 6 Jahren beantwortet

Guten Morgen,

Grundsätzlich müssen Sie bei der Fragestellung 2 Themen hinterfragen um zu erkennen wie Notwendig der "Umbau" oder die "Optimierung" sein muss:

A) Sind die (Geruchs-)Belastungen innerhalb der Halle zulässig gemäß MAK-Vorschriften? (Diese Frage muss leider gestellt werden)

B) Sind die Lösemittelmengen welche frei in die Halle dunsten ggf. ein möglicherweise Brand-/Explosion Problem?

ZU A)

Wenn ja, würde eine Querbelüftung bedarfsorientiert reichen.

Wenn nein, muss der Bereich egal wie, gesondert Be-/Entlüftet werden.

ZU B)

Wenn nein, würde eine Querbelüftung bedarfsorientiert reichen.

Wenn ja, muss der Bereich egal wie, gesondert Be-/entlüftet werden.

Sie merken, es geht alles in eine Richtung. Sollte der Menge dessen was stört zuviel sein, ist das Unternehmen aus Sicht der Arbeitsplatzsicherheit sowie Brand und Exlosionsschutz verpflichtet zu handeln.

Hier wären dazu Vorschläge, welche aus einer von Ihnen oben geschilderten Situation ohne Ortskenntnisse und weiteren möglichen Umständen erfolgt:

  • Räumliche Trennung mit aktiver Be-/Entlüftung (ATEX Richitline ect. bedacht sowie VOC nicht vergessen)
  • Ideal wäre wie angesprochen eine erweitere Trocknung. Allerdings wird diese kostenseitig natürlich intensiv je nach Größe und Menge der Bauteile-

Eine Infrarot Trocknung beschleunigt ja nur die Trockung. Die Belastungen sind ja trotzdem vorhanden und müssen abgeführt werden. Also kann hiermit ggf. die Trocknungzeit optimiert werden. Zusammangefasst, müssen Sie also damit rechnen, entweder einen Trocknungsraum zu errichten oder ein Art von Durchlauftrockner zu stellen. Hauben oder sporadische Konstrukte können zwar kurzfristig die Dinge verbessern, jedoch sind diese leider in der Regl nicht zulässig bzw. nie ausreichend.

Sollten Sie noch Fragen haben, dürfen Sie mich geren anschreiben oder auch anrufen.

Mit freundlichen Grüßen,

Wolfgang Schaefer

Firma FAS

www.service-fas.de

Ernst-Hermann Timmermann vor 6 Jahren beantwortet

Guten Tag Herr Brandt,

gute Frage. Ich versuche mal einen Lösungsansatz: Die Trocknung (die Härtung ist dann der chemische Prozess) von Lacken, und um das geht es ja hier, ist von mehreren Faktoren abhängig: Temperatur, Zeit, Luftbewegung etc. Die Lösemittelmengen die da frei werden sind immer die gleichen. Sie können bloß den Prozess beschleunigen. D.h. am Ende wird die "Geruchsmenge" auch gleich sein.

D.h. der Einsatz der IR-Trocknung (bei der Aushärtung würde sich die Erwärmung allerdings beschleunigend auswirken) würde nichts am Geruch ändern, sondern nur die Kosten in die Höhe treiben. Wenn Sie also genügend Platz haben, macht IR keinen Sinn.

Eine Absaugung macht dann sicherlich mehr Sinn insbesondere dann, wenn Sie gleichzeitig wieder Luft (die müsste man allerdings zumindest im Winter temperieren) einblasen, da die "abgesaugte" Luft ja irgendwo herkommen muss. Aus der Kombination von Einblasen und Absaugen könnte man ein "Lösung" machen. Durch das Anströmen der Bauteile mit Luft beschleunigen Sie den Abtransport der Lösemittel von der Beschichtungsoberfläche. Dadurch beschleunigen Sie dann auch den Trocknungsprozess. Das Ganze sollte man, wenn möglich jedoch „kanalisieren“. D.h. am besten wäre es, wenn man den Bereich einhausen würde.

Wenn Sie noch Fragen haben, bitte einfach anrufen.

Gruß Ernst-Hermann Timmermann

Dino Brandt vor 6 Jahren beantwortet

Guten Morgen zusammen,

erst einmal vielen Dank für Ihre Antworten.

Wir haben Messungen durch die BG durchführen lassen. Die Grenzwerte werden nicht überschritten.

Eine Absaugung wäre nur durch Einhausung des gesamten Bereiches (vor und nach Lackierkabine gesamt 160 qm) möglich.

In Bezug auf die Infrarottrocknung habe ich verstanden, dass es nur die Trocknung beschleunigt. Das wäre dann also keine Alternative.

Also bleiben somit am Ende diese Möglichkeiten:

  • Großflächige Einhausung des Trocknungsbereiches mit einer Querlüfung bzw. Absaugung
  • Alle Produkte durch einen Trockenofen schicken mit separater Absaugung
  • Umstellung auf lösemittelfreie Lacke (kommt aber aus verschiedenen Gründen aktuell nicht in Betrachtung)

Mit freundlichen Grüßen,

Dino Brandt

Ernst-Hermann Timmermann vor 6 Jahren beantwortet

Hallo Herr Brandt,

zu Ihren Punkten noch ein paar kleine Anmerkungen:

- Großflächige Einhausung des Trocknungsbereiches mit einer Querlüfung bzw. Absaugung -> Ja, das wäre aus meiner Sicht die ideale Lösung

- Alle Produkte durch einen Trockenofen schicken mit separater Absaugung -> Wenn Sie den Platz haben brauchen Sie keinen Ofen. Das beschleunigt lediglich den Trocknungs- / Härtungsprozess. Mehr nicht. Da das Aufheizen Energie benötigt würde ich das nur bei "Platznot" machen.

- Umstellung auf lösemittelfreie Lacke (kommt aber aus verschiedenen Gründen aktuell nicht in Betrachtung) -> Das müssen Sie auch nicht unbedingt machen auch wenn es aus ökologischer Sicht sicherlich anzustreben ist. Ich vermute mal, dass das Thema (unzureichende) Vorbehandlung der Bauteile hier der einschränkende Faktor ist. Wenn Sie bei den Emissionen keine Probleme mit der Genehmigugsbehörde bekommen sollte das zumindest mittelfristig auch unkritisch sein.

Gruß Ernst-Hermann Timmermann

Wolfgang Schaefer vor 6 Jahren beantwortet

Hallo Herr Brandt,

ich stimme Ihrer Zusammenfassung und der meines Vorredners zu.

Villeicht noch ein Hinweis, die meiste Lösemittelemmission findet am Anfang der "Abdunstung" statt.

Vielleicht können Sie durch tests evaluieren, ob z.B. die größte Geruchsbelastung nur innerhalb der Zeit X stattfindet und entsprechende Einhausung darauf beschränken.

Viele Erfolg!

Wolfgang Schaefer