ForumKategorie: GrundlagenSchichtdicke UV-base-/top-coat für PVD Beschichtung
Eva Haberger vor 6 Jahren gefragt

Hallo zusammen,

eines unserer Interieur-Dekoelemente wird PVD beschichtet, mit UV-base coat und UV-top coat. Im TDS hat sich die empfohlene Trockenschichtdicke geändert, von 25µm auf 15µm. Es soll jedoch weiter mit 25µm gefertigt werden. Sind Auswirkungen auf die Testergebnisse (Haftung, Alterungsverhalten, etc.) zu erwarten?

5 Answers
Oliver Tiedje Mitarbeiter vor 6 Jahren beantwortet

Ohne Kenntnis, ob am Material etwas geändert wurde, lässt sich das sicherlich nicht beantworten, prinzipiell kann die Schichtdicke Einfluss auf Haftfestigkeit, Läuferverhalten, Orangepeel, Beständigkeit, ... haben.

Oliver Tiedje Mitarbeiter vor 6 Jahren beantwortet

Ohne Kenntnis, ob am Material etwas geändert wurde, lässt sich das sicherlich nicht beantworten, prinzipiell kann die Schichtdicke Einfluss auf Haftfestigkeit, Läuferverhalten, Orangepeel, Beständigkeit, ... haben.

Wolfgang Schaefer vor 6 Jahren beantwortet

Guten Tag Frau Haberger,

ich würde die Situation nicht ungeklärt lassen.

Zunächst ist es natürlich ungewöhlich eine Vorgabe zu ändern welche im Anschluss nicht umgesetzt werden soll. Ich denke hier wird der Lackhersteller wohl auf 15µm das TDS geändert haben und Ihr Kunde verlangt aufgrund von der Zeichnung nach wie vor 25µm. Hier sollte es eine Abstimmung zwischen Ihnen, dem Kunden und dem Lackhersteller geben.

Desweiteren ist es durchaus möglich, das sich im Zuge weiterer technischer Erkenntnisse, empfohlene TSD auch ohne Materialänderungen ergeben können. Allerdings muss insbesondere bei UV härtenden Systemen bedacht werden, das sich bei so stark unterschiedlichen Schichtdicken insbesondere beim Härtungsvorgang die Charakteristik des Lackes verändern wird. Dies, und da haben Sie völlig recht, wird sich sicher innerhalb der Spezifikationsanforderung bemerkbar machen.

Sie werden sehr wahrscheinlich bei unveränderter Härtung unter Verwendung von 15µm deutlich stärker vernetzen und ggf. auch in die Gefahr einer Überhärtung laufen. Diese ist optisch leider nicht immer erkennbar, sodass ich auch aus diesem Hintergrund heraus eine direkte Ansprache anregen würde.

Insgesamt ist also eine Verändeung bei auch laufenden Projekten möglich durch technischen Fortschritt, aber in diesem Fall sollte die Kommuniation und geimeinschaftliche Validierung der Thematik erfolgen.

Sie hatten in Ihrer Frage nicht erwähnt unter welchen weiteren Randbedingungen diese Änderung gewünscht wurde. Möglicherweise ergibt es sich mir also noch nicht im Gesamtbild. Wenn es fortlaufend dazu Fragestellungen oder offenen Gesprächsbedarf geben sollte, dürfen Sie mich gerne ansprechen. Im Berich UV kennen ich mich bekannter Maßen sehr gut aus.

https://service-fas.de/Lacktechnischer-Service/UV-Integration/

Beste Grüße aus dem Norden!

Wolfgang Schaefer

Eva Haberger vor 6 Jahren beantwortet

Hallo Herr Tiedje, hallo Herr Schaefer,

erstmal vielen Dank für Ihre Antworten!

Visuelle Qualitätsunterschiede sind nicht erkennbar. Die ersten Prüfergebnisse mit quasi "zu großer Schichtstärke" sind bis jetzt i.O. ausgefallen. Soweit sogut. Allerdings bin ich besorgt, das diese Abweichung zum TDS doch noch negative Folgen haben könnte...

Zunächst werde ich die weiteren offenen Rahmenbedingungen bei unserem Tier2 erfragen um ein detaillierteres Bild zu erhalten.

Viele Grüße,

Eva Haberger

Norbert Pietschmann Mitarbeiter vor 6 Jahren beantwortet

Hallo Frau Haberger,

zuerst einmal, die Flexibilität (Biegsamkeit, genauer gesagt) wird tendenziell bei der höheren Schichtdicke geringer bzw. bei der geringeren Schichtdicke höher sein. Das ist ein rein mechanisches Phänomen, welches nichts mit der UV-Härtung zu tun hat. Ob das eine Rolle spielt, hängt davon ab, inwieweit Ihre beschichteten Substrate Biegebeanspruchungen ausgesetzt sind.

Ich würde nicht befürchten, dass der Lack bei reduzierter Schichtdicke stärker vernetzt. Bei einer UV-Härtung unter Luftatmosphäre (Sauerstoffinhibierung) könnte sich, im Gegenteil, die Vernetzung an der Oberseite ab einer bestimmten Verringerung der Schichtdicke sogar verschlechtern. Ob so etwas ggf. passiert, ist aber auch von der Zusammensetzung des Lackes abhängig.

Die Durchhärtung in der Tiefe kann sich bei Schichtdickenerhöhung verschlechtern. Auch dies ist von der Lackzusammensetzung abhängig.

Wenn Sie Zweifel haben, wäre es das Beste, Härte und Flexibilität bei unterschiedlichen Schichtdicken mit geeigneten Methoden zu überprüfen oder aber die Umsetzungsgrade der Acrylatdoppelbindungen mittels Infrarot- oder Ramanspektroskopie zu ermitteln.

Viele Grüße

Norbert Pietschmann