Unzureichende Lackhaftung bei Spritzgussteilen trotz Vorreinigung

  • Fehler: Unzureichende Haftung
  • Substrat: Spritzguss
  • Ursache: Kontamination durch Reinigungstuch
  • Mögliche Lösung: Nur geeignete Reinigungsmaterialien verwenden

Substanzen aus der Textilproduktion können Haftungsprobleme verursachen. Foto: Analytik Service Obernburg

Bei einigen Spritzgussteilen aus der Serie traten wiederholt Probleme bei der Lackierung auf. Konkret zeigte sich eine unzureichende Haftung des Lacks auf der Bauteiloberfläche. Als mögliche Ursache wurde frühzeitig sehr dünne, zunächst nicht sichtbare Kontaminationen der Oberfläche vermutet, wie sie beispielsweise durch Trennmittel, Weichmacher, Additive aus dem Kunststoff oder durch Handhabungseinflüsse entstehen können.

Erste Maßnahme: Manuelle Reinigung mit Spiritus

Parallel zur analytischen Ursachenanalyse wurde als erste, vorübergehende Gegenmaßnahme das Abwischen der Bauteiloberflächen mit Spiritus eingeführt. Ziel war es, potenzielle organische Verunreinigungen vor dem Lackieren zu entfernen. In der Praxis zeigte sich jedoch schnell, dass der Erfolg dieser Maßnahme stark von der ausführenden Person abhing:

  • Wie viele Bauteile werden mit einem Tuch gereinigt?
  • Wie „nass“ oder „trocken“ ist das Tuch?
  • Mit welcher Sorgfalt wird gearbeitet?
  • Werden schwer zugängliche Bereiche ausreichend berücksichtigt?

Die Reinigung war damit weder standardisiert noch reproduzierbar. Trotz der Vorreinigung traten weiterhin Bauteile mit unzureichender Lackhaftung auf.

Trotz des konsequenten Einsatzes neue Tücher für die Reinigung und trotz der Überwachung sorgfältiger Arbeitsweise blieb der Erfolg der Maßnahme nur teilweise zufriedenstellend. Trotz „frischer“ Tücher traten weiterhin Haftungsprobleme auf, was den Verdacht auf eine bisher nicht berücksichtigte Fehlerquelle lenkte.

Unerwartete Ursache: Kontamination durch das Reinigungstuch selbst

Eine weiterführende Analyse der eingesetzten neuen Tücher brachte schließlich eine überraschende Erkenntnis:
Auf den Tuchoberflächen konnten Avivagen aus der Faserherstellung nachgewiesen werden. Diese Substanzen werden bei der Textilproduktion gezielt eingesetzt, um Fasern gleitfähig zu machen, statische Aufladung zu reduzieren oder die Weiterverarbeitung zu erleichtern.

Beim Abwischen der Spritzgussteile wurden die ursprünglichen Rückstände zwar zum Teil entfernt, aber gleichzeitig neue Kontaminationen auf die Bauteiloberfläche übertragen. Die „Reinigung“ führte somit zu einer zusätzlichen, lackkritischen Kontamination, die selbst Haftungsstörungen verursachte.

Fazit

Der wirksamste Ansatz zur Sicherstellung einer guten Lackhaftung ist die konsequente Vermeidung jeglicher Oberflächenkontaminationen. Voraussetzung dafür ist ein genaues Verständnis des Prozesses und einen kompetente Ursachenanalytik mit oberflächenempfindlichen Analysemethoden. Und sollten sich Kontaminationen im Prozess nicht vermeiden lassen, so sind automatische Prozesse wie die CO2-Reinigung oder eine geeignete Aktivierung sinnvoll, um reproduzierbare und stabile Lackierergebnisse zu erzielen.

Eine manuelle Nachreinigung kann im Sinne der Schadensbegrenzung sinnvoll sein, sie bedeutet aber Mehrarbeit und birgt eigene Risiken. Der vorliegende Fall zeigt deutlich, dass gut gemeinte Reinigungsmaßnahmen kontraproduktiv wirken können. Insbesondere bei sensiblen Lackierprozessen gilt:

  • Manuelle Reinigungsverfahren sind stark personenabhängig und nur schwer reproduzierbar
  • Neue Reinigungstücher sind nicht automatisch „sauber“ oder lacktauglich
  • Reinigungsflüssigkeiten und -hilfsmittel können selbst zu relevanten Kontaminationsquellen werden und Haftungsprobleme verursachen

Dabei dürfen nur geeignete und geprüfte Medien (Lösungsmittel und Tücher) verwenden werden.

Rainer Ziel
Rainer Ziel
Te. +49 6022 81-2645
Last Update: 11. Februar 2026